18. Januar 2023

Das Studium mit Jobs in der Zeitarbeit finanziert

Interview mit Mark Oliver Rother, dem neuen Geschäftsführer von HBS

Seit rund fünf Monaten ist Mark Oliver Rother der neue Geschäftsführer von HBS Industriedienste. Höchste Zeit, den Mann an der Spitze einmal vorzustellen, der selbst viele Jahre in der Zeitarbeit tätig war. Michelle Köhler hat sich zum Interview mit ihm getroffen.

„Wir würden gern mehr über Dich erfahren. Wie verbringst Du Deine Freizeit, was macht Dich persönlich aus?“

„Ich habe eine 7-jährige Tochter, mit der ich versuche, so viel Zeit wie möglich zu verbringen und die mich auch ordentlich auf Trab hält. Das kann schon mal ganz schön anstrengend sein, wenn man den ganzen Tag zusammen spielt oder andere Aktionen macht. Ich genieße das aber total und bin sehr stolz auf sie.

In meiner übrigen Freizeit fahre ich gerne Mountainbike und bin draußen unterwegs oder gehe auch ins Fitnessstudio. Das ist mein sportlicher Ausgleich zur Arbeit. Ansonsten „zocke“ ich auch gerne mit Freunden Videospiele wie „Fifa“, interessiere mich aber auch für Politik und Geschichte.“

„Wie viel Freizeit hat man als Geschäftsführer überhaupt?“

„Relativ wenig. Ich versuche immer unter der Woche meine Arbeit zu schaffen, damit ich dann am Wochenende für meine Tochter und meine Freunde Zeit habe. Dafür setze ich klare Prioritäten.“

„Wie war Dein bisheriger beruflicher Werdegang und was war Dein schlimmster Job, den Du je gemacht hast oder machen musstest?“

„Mit 16 habe ich bereits angefangen regelmäßig zu arbeiten - zuerst neben der Schule und später neben dem Studium. Ich habe ganz klassisch BWL an der Uni Bielefeld studiert und mir mein Studium selbst finanzieren müssen. Deswegen habe ich selbst als Anlernkraft in der Zeitarbeit angefangen und viele Jobs dort gemacht. Das waren in den Jahren bestimmt 20 bis 25 kürzere und längere Einsätze bei Unternehmen in verschiedenen Branchen. Das ging vom Kommissionieren im Retourenlager bis hin zur Maschinenbedienung von Kunststoffspritzgussmaschinen oder aber auch Arbeiten in der Flaschensortierung, meistens im Dreischicht-System. Zeitarbeit habe ich aber auch damals schon überhaupt nicht als schlecht empfunden, obwohl es das Klischee ja immer behauptet.

Mein schlimmster Job war aber damals außerhalb der Zeitarbeit als Werkstudent bei einem Hypothekenmakler als Datentypist: Horror! Den ganzen Tag musste ich dort stumpf Datensätze eingeben und das hat mir absolut keinen Spaß gemacht. Das war bisher auch der einzige Job, bei dem mir jemals gekündigt wurde. Es war damals eine Werkstudentenstelle frei und ich konnte später glücklicherweise zu einem anderen Job wechseln.

Am Ende des Studiums war mir persönlich nicht wirklich klar, ob Marketing und Vertrieb das Richtige für mich ist oder doch eher der Personalbereich.

Weil man als Personaldisponent beides miteinander vereinen kann und ich in der Zeitarbeit gute Erfahrungen gemacht hatte, bin ich bei einem Wettbewerber als Personal-/Vertriebsdisponent gestartet. Ziel war für mich zu schauen, welcher Bereich mir mehr liegt, um eigentlich dann nach zwei bis drei Jahren aus der Branche heraus zu wechseln.

Mir ist in dieser Zeit aber klar geworden, dass ich im Bereich Personaldienstleistung und Zeitarbeit bleiben möchte. Daher habe ich Mitte 2010 das Unternehmen gewechselt und meine erste Niederlassung übernommen, welche praktisch von Null an aufgebaut werden musste. Wir haben es als ganz kleines Team innerhalb eines halben Jahres geschafft, von anfangs drei Beschäftigten auf 65 aufzubauen, was mich ehrlich gesagt heute noch etwas mit Stolz erfüllt. Mit einer meiner beiden damaligen Kolleginnen habe ich auch heute immer noch einen guten Kontakt und sie war bis zum Ende meiner Zeit bei meinem vorherigen Arbeitgeber in meinem Team. Insgesamt war ich dort zwölf Jahre Niederlassungsleiter. In diesen Jahren ist so viel Spannendes passiert, irgendwann sind noch weitere Niederlassungen dazu gekommen und ich war mit meinen Teams für ganz OWL zuständig. Letztes Jahr habe ich dann aber gemerkt, dass ich eine neue Herausforderung in der Zeitarbeit suche und jetzt bin ich hier als Geschäftsführer bei HBS.“

„Eine beachtliche Karriere. Welche beruflichen Erlebnisse haben Dich denn am stärksten geprägt?“

„So pauschal kann ich das gar nicht sagen. Viele Eindrücke waren für mich prägend. Die Zeit als gewerblicher Mitarbeiter in der Zeitarbeit war sicher sehr wichtig für mich, weil ich dort die Jobs gemacht habe, die viele unserer externen Kolleginnen und Kollegen heute ebenfalls machen und ich mich deshalb sehr gut in sie hineinversetzen kann.

Besonders hat mich ein ehemaliger Arbeitgeber geprägt. Da gab es eine absolute Hire-and-Fire-Mentalität: Damals habe ich in sehr kurzer Zeit sehr viele Kolleginnen und Kollegen kommen und gehen gesehen, denn die firmeninternen Vorgaben waren alles andere als dauerhaft umsetz- oder zumutbar. Man stand ständig unter Strom und hatte immer einen starken Leistungsdruck im Nacken.

Auch bin ich mal für mehr als ein Jahr jeden Tag von Bielefeld nach Hannover gependelt. Das hat meinen Arbeitsalltag enorm geprägt und war nicht wirklich optimal. Von einer ausgeglichenen „Work-Life-Balance“ konnte man da nicht sprechen.

Im Großen und Ganzen ist mir nichts in den Schoß gefallen. Ich habe immer für alles arbeiten und teilweise auch kämpfen müssen und bin extrem dankbar, dass ich die harten Parts in meinem Leben damals gut gemeistert habe.“

 „Was ist Dir in der Zusammenarbeit mit Deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern denn besonders wichtig?“

„Besonders wichtig finde ich, dass man erstmal nicht in den typischen Schubladen zwischen internen und externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zeitarbeit denkt. Man muss das Unternehmen als großes Ganzes sehen. Wir sind eine Einheit, die eben zusammen Hand in Hand arbeitet. Begriffe wie Respekt, Wertschätzung und Fairness finde ich wichtig zu nennen, denn letzten Endes sind wir alle Menschen

und wenn es mal Probleme gibt, müssen die Punkte ganz offen angesprochen und kommuniziert werden. Auch wenn mal jemand mit einer Entscheidung von mir ein Problem hat, kann man mir das gerne sagen. Ich bin sehr kritikfähig. Wichtig ist, dass man sich auf Augenhöhe begegnet und dies dann als Basis nimmt. Zudem ist mir Verbindlichkeit sehr wichtig - so nach dem Motto: Ein Mann oder eine Frau, ein Wort.“

„Was findest Du denn interessant oder spannend an der Zeitarbeit oder generell an der Arbeit eines Personaldienstleisters?“

„Bei einem Personaldienstleister, wie HBS einer ist, steht der Mensch im Vordergrund. Ich war schon bei vielen Betriebsbesichtigungen und finde so etwas auch mal ganz spannend zu sehen, aber grundsätzlich kann ich mich mit diesem ganzen technikbasierten Wissen nicht identifizieren. Die Arbeit mit Menschen hat viel Erfüllendes. Man kann anderen Menschen, die woanders vielleicht keinen Job finden, eine Chance geben und Kunden helfen, die kein Personal finden. Ich denke, dass das Punkte sind, die den Tag einfach besser machen.

Manche Menschen, die bei einem anderen Unternehmen vielleicht alleine nie die Chance hatten, auch nur einen Fuß in die Tür zu bekommen, haben es durch uns geschafft und wurden dann bis zur Rente übernommen. Wenn diese Mitarbeiter dann nochmal zu uns kommen, sieht man wirklich diese Dankbarkeit. Teilweise haben die Leute dann sogar Tränen in den Augen und in solchen Momenten merkt man wirklich, wie sinnerfüllend diese Arbeit ist.“

„Was sind denn Deine Ziele als Geschäftsführer, die Du erreichen möchtest? Und was kannst Du besser als andere Chefs?“

„Ich möchte möglichst nah am Geschehen der Niederlassungen und dem operativen Geschäft sein. Die Niederlassungen erwirtschaften den Umsatz und die Hauptverwaltung in Beckum soll die Niederlassungen bestmöglich als Serviceeinheit unterstützen. Auf meiner Agenda steht, dass HBS gesund organisch wachsen soll, wobei neue Standorte geplant werden und auch weitere Dienstleistungen angeboten werden sollen, z.B. die Direktvermittlung von Fach- und Führungskräften. Außerdem möchte ich unser Sozialmanagement mehr in den Vordergrund rücken.

Was mich von anderen Führungskräften unterscheidet: Bei mir wird es keinen militärischen Führungsstil geben. Da hat mich ein früherer Vorgesetzter von damals stark beeinflusst. Definitiv war der eine Spur zu streng, aber ich habe bei ihm auch gelernt, dass man eine gewisse Härte und Durchsetzungskraft braucht, um klare Strukturen zu schaffen.“

Interview/Text Michelle Köhler

HBS Industriedienste

Die HBS Industriedienste GmbH + Co. KG wurde 1994 als Personaldienstleistungsunternehmen in Beckum gegründet und hat ist durch weitere Niederlassungen in mehreren Regionen Deutschlands organisch gewachsen. Unser Personal ist im Münsterland rund um Ahlen, Beckum und Warendorf ebenso im Einsatz wie in Ostwestfalen-Lippe an unseren Standorten in Gütersloh und Bielefeld. Auch im Umfeld von Bedburg, Lippstadt, Hamm, Dortmund und Berlin sind HBS-Teams in der Zeitarbeit bei regionalen Unternehmen eingesetzt.

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei uns fest angestellt und genießen dieselben Rechte und Sozialleistungen wie alle anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind schon seit vielen Jahren bei uns beschäftigt, weil sie die abwechslungsreichen Tätigkeiten schätzen und dadurch vielfältige Berufserfahrungen sammeln können. HBS bietet gute Möglichkeiten der Qualifizierung und ist als Arbeitgeber auch für Wiedereinsteiger und Quereinsteiger interessant. Bei Bedarf bietet unser Sozialmanagement Unterstützung an. Wir achten immer darauf, dass alle Mitarbeitenden gemäß ihrer beruflichen Qualifikationen und wenn möglich wohnortnah eingesetzt werden.

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